Bad Nauheim saniert: Wie die Wärmewende im eigenen Haus gelingt

Bad Nauheim, 08.02.2026

Die kommunale Wärmeplanung für Bad Nauheim ist verabschiedet. Doch was bedeutet das konkret für die Bürgerinnen und Bürger? Bei einer gut besuchten Informationsveranstaltung der Bad Nauheimer Grünen im Alten Rathaus wurde deutlich: Für die Mehrheit der Immobilieneigentümer ist Eigeninitiative der Schlüssel zum Erfolg.

„Rund 80 Prozent der Haushalte in Bad Nauheim heizen noch mit fossilem Erdgas, weitere 10 Prozent mit Erdöl“, erklärte Yvonne Damm, Sprecherin der Bad Nauheimer Grünen, zu Beginn des Abends. Die harten Fakten der neuen Wärmeplanung zeigen: Ein Fernwärmenetz ist technisch nur in neun spezifischen Gebieten – primär in der Innenstadt und in Rödgen – realisierbar. Das bedeutet im Umkehrschluss: Vier von fünf Hausbesitzern in Bad Nauheim werden keinen Fernwärmeanschluss erhalten und müssen die Wärmewende in den eigenen vier Wänden selbst gestalten.

Effizienzpotential im Altbau: Mythen und Halbwahrheiten im Check

Um Licht in den „Sanierungs-Dschungel“ zu bringen, referierte der Bauingenieur und Energieexperte Sven Glaum aus Butzbach über moderne Gebäudemodernisierung. Er betonte die Dringlichkeit, da fast die Hälfte des deutschen Gebäudebestands in die kritischen Effizienzklassen F bis H falle.

Dabei räumte Glaum mit dem hartnäckigen Vorurteil auf, Sanierung führe zu Schimmel: „Fachgerecht gedämmte Wände und moderne Fenster senken das Schimmelrisiko signifikant, da die Wandoberflächen warm bleiben“, so der Experte.

Die Wärmepumpe als Allrounder – auch im Altbau

Ein zentrales Thema des Abends war die Wärmepumpe. Entgegen weit verbreiteter Skepsis stellte Glaum klar, dass moderne Geräte heute absolut geeignet sind, um auch Altbauten mit konventionellen Heizkörpern zuverlässig und wirtschaftlich zu beheizen. Weder eine Fußbodenheizung noch eine vollumfängliche Wärmedämmung seien zwingende Voraussetzungen für den Betrieb.

Wer dennoch über eine Flächenheizung nachdenkt, für den hatte Glaum einen praktischen Tipp: Neben der klassischen Fußbodenheizung bietet sich oft eine Deckenheizung an, die sich im Bestand wesentlich leichter nachträglich installieren lässt.

Bis zu 70 Prozent Förderung möglich

Besonderes Interesse weckten die Informationen zu den staatlichen Zuschüssen. Laut Glaum greift der Staat den Bürgern derzeit massiv unter die Arme:

  • 30 % Grundförderung: Für jeden Umstieg auf klimafreundliche Heiztechnik.
  • Bis zu 70 % Gesamtförderung: Durch verschiedene Boni (z.B. Einkommens- oder Geschwindigkeitsbonus bei Umsetzung bis 2028).
  • Zusatz-Vorteil iSFP: Ein individueller Sanierungsfahrplan (iSFP) strukturiert nicht nur die Maßnahmen für die kommenden Jahre, sondern sichert oft zusätzliche Fördermittel.

Fazit: Verantwortung und Wirtschaftlichkeit gehören zusammen

Die anschließende lebhafte Diskussion zeigte, wie groß der Beratungsbedarf bei spezifischen Sanierungsvorhaben und denkmalgeschützten Objekten in Bad Nauheim ist. Yvonne Damm zog ein positives Resümee: „Die Veranstaltung hat gezeigt, dass die Wärmewende machbar ist. Das Interesse ist groß. Ökologische Verantwortung und wirtschaftlicher Nutzen gehen hier Hand in Hand.“ Vorstandsmitglied Dr. Martin Düvel bedankte sich im Anschluss bei Sven Glaum für seine umfassende, aber dennoch kurzweilige Darstellung der individuellen Möglichkeiten auf dem Weg zur energieeffizienten Wärmewende im eigenen Haus.

Über den Ortsverband von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bad Nauheim: Der Ortsverband setzt sich aktiv für eine nachhaltige und klimaneutrale Kurstadt ein. Durch Information und Dialog fördert er die aktive Mitgestaltung der Energiewende vor Ort.

Pressekontakt: Yvonne Damm (Sprecherin) E-Mail:  vorstand@gruene-bad-nauheim.de Website: https://gruene-bad-nauheim.de/