Bad Nauheim, 09.03.2026
Die Freiwillige Feuerwehr Nieder-Mörlen benötigt dringend ein neues Gebäude, da der bisherige Standort im Ortskern seit Jahrzehnten noch nicht einmal Mindestanforderungen entspricht.
„Die Situation, mit der sich die Freiwillige Feuerwehr in Nieder-Mörlen täglich abgeben muss, ist schon länger nicht mehr tragbar“, empört sich Klaus Seipel, B90/DIE GRÜNEN Kandidat für den Ortsbeirat in Nieder-Mörlen. „Das Gerätehaus ist in die Jahre gekommen und in miserablem Zustand. Die Toreinfahrt zu dem Vorhof ist kaum breiter als eines der modernen Fahrzeuge. Beim Ausrücken müssen sogar die Seitenspiegel eingeklappt werden,“ fasst er weiter zusammen und findet: „Es muss schnellstmöglich ein Neubau angegangen werden, der den Einsatzbedingungen der Freiwilligen Feuerwehr gerecht wird.“
Nach den Plänen des Bürgermeisters, der in den letzten Wochen der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt wurde, soll auf dem Gelände der ehemaligen Spedition Ahlheim am Ausgang des Ortsteils ein großes neues Gerätehaus gebaut werden, mit reichlich Platz für Fahrzeuge, Schulungsräumen und Platz für das Orchester. Die Fraktion von B90/DIE GRÜNEN befürwortet ein geräumiges und vielfältig nutzbares Gebäude für die Freiwillige Feuerwehr und betrachten die Ausbaupläne als angemessen für den größten Stadtteil Bad Nauheims.
Bedenken gibt es jedoch gegen das Pachtmodell, da das Gebäude nur gemietet wird, und keine Option für einen Kauf vorgesehen ist. Zunächst soll der Vertrag auf einen Zeitraum von 33 Jahren festgelegt werden, mit der Option auf Verlängerung. Für die ersten 10 Jahre wird eine monatliche Miete von 33.000 Euro fällig, danach erhöht sich diese jährlich um einen Inflationsausgleich. Am Ende der Laufzeit gehört das Gebäude allerdings nicht der Stadt, sondern kann höchstens zu immer höheren Kosten weiter gepachtet werden, sollte man an einer Freiwilligen Feuerwehr in Nieder-Mörlen festhalten wollen. Die Kosten für die Gebäudetechnik sind darin noch nicht enthalten. Für diese beabsichtigt die Stadt Bad Nauheim einen Technik- und Energie-Contracting-Vertrag mit den Stadtwerken Bad Nauheim abzuschließen. Auch, wenn es sich hierbei um einen städtischen Betrieb handelt – die Kosten müssen ebenfalls in die Berechnung miteinbezogen werden, stehen jedoch noch nicht fest.
Im Jahr 2024 gab die Stadtverwaltung eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, welche sich mit Optionen für die Feuerwehrhäusern in Nieder-Mörlen und Steinfurth beschäftigte. Damals ging man noch von einem kleineren Gerätehaus mit drei Garagen in Nieder-Mörlen aus. Mittlerweile haben sich die Anforderungen geändert und es wird mit einem ungefähr dreifach so großen Gebäude und mit sechs Garagen geplant. Das aktuell beplante Grundstück wurde darin als nicht geeignet beschrieben insbesondere wegen fehlender Parkplätze. Diese Information wurde den Parlamentarier*innen jedoch zu den Verhandlungen nicht vorgelegt, sondern erst nach Anfrage von B90/DIE GRÜNEN im Nachgang zu den Sitzungen verteilt. Erst durch die Presse wird öffentlich, dass die Stadt ein Grundstück auf der gegenüberliegenden Seite der Nieder-Mörler-Straße für zusätzliche Parkplätze vorgesehen hat. Wobei im Einsatzfall die Feuerwehrkräfte immer erst die Straße überqueren müssten – ein Sicherheitsrisiko. Darüber hinaus stellt sich die Frage, ob und wenn ja, welche zusätzlichen Kosten auf die Stadt zukommen.
„Den Stadtverordneten fehlt die Transparenz, was genau geplant ist und das scheibchenweise Herausgeben von Informationen bevorzugt über die Presse ist der Sache nicht dienlich“, moniert Esra Edel, Co-Fraktionsvorsitzender und Leiter des Bauausschusses.
„Aktuell können wir nicht beurteilen, wie sich die Kosten einer Mietoption gegenüber einem Eigenbau verhalten. Deswegen erwarten wir ein entsprechendes Wirtschaftlichkeitsgutachten – wie es laut einem Beschluss der Bund-Länder-Finanzministerkonferenz im Jahr 2007 für solche Projekte auch vorgesehen ist.“
Seit langem muss der Stadtverwaltung klar sein, dass ein Neubau in Nieder-Mörlen nötig wird. Weshalb die Politik erst jetzt halbherzig einbezogen wird, wo alle Würfel gefallen scheinen? Wenn die Stadtverwaltung schnell das benötigte Feuerwehrgerätehaus bauen möchte, sollte sie mit der Stadtverordnetenversammlung zusammenarbeiten und alle Informationen offen besprechen.
„Der Bürgermeister behauptet, der vorgelegte Plan sei alternativlos – mit dieser Einstellung macht sich die Stadt jedoch erpressbar“, kritisiert Dr. Sven Steininger Abgeordneter von B90/DIE GRÜNEN „Wir werden bei dem Projekt darauf achten, dass die Stadt nicht in eine Kostenfalle tappt und der Haushalt auf Jahrzehnte über Gebühr belastet wird. Warum ein Wirtschaftlichkeitsgutachten bis heute nicht vorliegt, obwohl es in zwei Wochen erstellt werden kann, ist für uns nicht nachvollziehbar. Uns machen die Unklarheit der Gesamtkosten sowie die Kopplung der Pacht an die Inflation Sorgen, denn damit geht die Stadt unnötig zusätzliche Risiken für die kommenden Haushalte ein, die letztendlich die Bürger bezahlen müssen. Wir fordern Transparenz und Klarheit.“, so Dr. Steininger abschließend.
Für Rückfragen:
Pressestelle BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bad Nauheim;
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