Grüne Bad Nauheim besuchen Stadtwerke

Energiewende mit Augenmaß und Innovationskraft-
Wie gelingt der Umstieg auf erneuerbare Wärme in einer historischen Kurstadt?

Und wie sicher ist unsere Energieversorgung von morgen? Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen Bad Nauheim suchte das Gespräch mit Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Thorsten Reichel, um sich über die strategische Ausrichtung des kommunalen Energieversorgers zu informieren.

Im Zentrum des Austauschs stand die kürzlich beschlossene kommunale Wärmeplanung. Angesichts der Tatsache, dass derzeit noch 90 Prozent der Wärme in Bad Nauheim aus fossilen Quellen stammen, steht die Stadt vor einer Herkulesaufgabe. Dr. Thorsten Reichel betonte dabei die Komplexität: „Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit müssen in Einklang gebracht werden.“ Der Weg zur grünen Wärme werde, ähnlich wie beim Stromsektor (der 2025 bereits 55,9 Prozent erneuerbare Energien verzeichnete), in kontinuierlichen Schritten erfolgen – unterstützt durch moderne Wärmepumpentechnik.

Digitaler Zwilling plant das Netz von morgen
Besonders beeindruckt zeigten sich die Grünen von der technologischen Vorreiterrolle der Stadtwerke. Gemeinsam mit der THM Gießen-Friedberg wurde ein „digitaler Zwilling“ der Bad Nauheimer Energieversorgung entwickelt. Diese Simulation ermöglicht es, präzise vorherzusagen, wo das Netz für den Zubau von Photovoltaikanlagen, Wallboxen und Wärmepumpen verstärkt werden muss.

Mobilitätswende bereits heute Realität
Dass die Mobilitätswende in Bad Nauheim längst Fahrt aufgenommen hat, zeigen die Zahlen im Fuhrpark: Über 70 Prozent der Fahrzeuge der Stadtwerke sind bereits elektrisch. Besonders stolz ist man auf die sechs vollelektrischen Stadtbusse, die jährlich rund 170.000 Liter Diesel einsparen. Flankiert wird dies durch die Tochtergesellschaft ENSEV, die mit 100 Ladepunkten – darunter zehn Schnelllader – eine moderne Ladeinfrastruktur für die gesamte Stadt bereitstellt.

Lokale Potenziale nutzen: Von Abwasser bis Thermalquellen
Die Zukunft der Wärmeversorgung in Bad Nauheim ist vielfältig. Wegweisende Projekte wie die „kalte Nahwärme“ im Neubaugebiet Süd und am Holzberg waren erst der Anfang. Die Stadtwerke setzen mittlerweile die Wärmegewinnung aus Abwasser für die Salus-Klinik um, und prüfen als innovatives Prokjekt die potenzielle Nutzung der berühmten Thermalquellen für das Wärmenetz.

Bei jedem weiteren Schritt der Projekte werden angemessen wirtschaftliches Risiko und Chancen gegeneinander abgewogen. Die grünen Aufsichtsratsmitglieder Joachim Lorych und Dr. Martin Düvel bestätigten aus ihrer langjährigen Arbeit im Gremium den verantwortungsvollen Umgang der Stadtwerke mit ihren begrenzten finanziellen Ressourcen. „Die Stadtwerke sind seit 1879 tief in unserer Stadt verwurzelt. Diese lokale Identität und die hohe Expertise der über 100 Mitarbeitenden sind unser größtes Pfund“, so das Fazit.

Ein starker Partner für die Bürger
Die Sprecherin des Ortsverbands, Yvonne Damm, sowie die Fraktionsvorsitzenden Claudia Kutschker und Esra Edel ziehen eine positive Bilanz des Besuchs: „Die Professionalität und Innovationskraft der Stadtwerke geben uns großen Optimismus für die Energiewende vor Ort. Die Unabhängigkeit von privaten Investoren und der direkte Draht zu den Kunden sind unschlagbare Vorteile für unsere Stadtgesellschaft.“

Für Rückfragen:
Pressestelle BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Bad Nauheim;
E-Mail: kontakt@gruene-bad-nauheim.de